Die Elternschule – Ist Gewalt der einzige Weg?

Der Film „Die Elternschule“ und die dort vorgeschlagenen Praktiken werden momentan in so ziemlich jedem Mama-Blog diskutiert. Kein Wunder, suggeriert der Film doch, dass Gewalt die einzige Handlungsalternative ist, die verzweifelte Eltern haben. Doch ist das so?

 

Was ist Gewalt?

Zunächst muss ich noch eine Sache klar stellen: Die in dem Film dargestellten Maßnahmen, die an den verhaltensauffälligen Kindern durchgeführt werden, sind Gewalt. Der moderne Gewaltsbegriff geht längst über die rein physische Gewalt hinaus. Er umfasst auch psychische und emotionale Gewalt, deren Einsatz in ‚der Elternschule‘ zum Tragen kommt. Dass die angewandten Methoden sich bei wissenschaftlicher Betrachtung als unschädlich erwiesen hätten, ist schlicht weg falsch! Längst gibt es Forschungen, die eindeutig darlegen, dass die Anwendung von psychischer und Emotionaler Gewalt, die Ausbildung von psychischen Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten im Erwachsenenleben begünstigen.

 

Gewalt als letzter Ausweg

Das Team rund um Herrn Langer, der der leitende Therapeut ‚der Elternschule‘ ist, kann diese Gewalt nicht als solche erkennen. Die ‚Fachleute‘  sehen in den ‚Behandlungen‘ notwendige Maßnahmen, die Eltern und Kindern helfen sollen und für sie den einzig möglichen Ausweg aus der einer verzweifelten Situation darstellen.

Das ist das wirklich Traurige an dieser tiefschwarzen Pädagogik: Ihre Anhänger sind zutiefst überzeugt es gäbe keine anderen Handlungsoptionen, wenn sich ein Kind dermaßen auffällig zeigt. Sie wissen es schlicht weg nicht besser. Sie unterstellen dem Kind eine böse und manipulative Absicht, denn anders können sie sich sein Verhalten nicht erklären.

 

Verhalten als Symptom

Dass es sich bei diesem Verhalten lediglich um das Symptom eines viel größeren Problemkomplexes handelt, wird in dem Film fast gar nicht beleuchtet. Stattdessen wird, wie es in der Schulmedizin so üblich ist, das Symptom behandelt, damit weiterhin so getan werden kann, als gäbe es das Problem gar nicht. Die wichtige Möglichkeit sich das gesamte Familiensystem und die Stellung des jeweiligen Kindes darin anzuschauen und zu beleuchten, welche Hintergründe das jeweilige Verhalten hat, wird den betroffenen Familien genommen.

Verhalten kommt immer mit einer Vorgeschichte. Kinder sind im höchsten Maße kooperativ, denn sie sind davon abhängig, Teil der Gemeinschaft zu sein, in der sie leben. Daher zeigen Kinder niemals absichtlich ‚schwieriges Verhalten‘ gegenüber den Erwachsenen von denen ihr Überleben abhängt. Sie haben nicht die Absicht, jemanden zu Ärgern oder den Eltern auf der Nase herumzutanzen. Das Verhalten ist Ausdruck eines Sinnes-Eindrucks, den das Kind selbst bekommen hat.

Im Vorfeld hatte es das Kind entweder seinerseits mit verletzendem oder gewaltvollen Verhalten zu tun, sei es seitens der Eltern oder seitens des Umfeldes. Oder das Kind hat eine traumatische Erfahrung hinter sich, die es noch nicht vollständig verarbeitet hat (diese muss sich für Erwachsene keineswegs dramatisch darstellen). Es kann aber auch sein, dass es unter strukturellen Problemen, wie dem Druck in der Schule massiv leidet und deswegen ein bestimmtes Verhalten zeigt. Häufig sind die Zusammenhänge, die zu dem symptomatischen Verhalten führen, vielschichtig und komplex.

 

Eltern in Not

Die Elternschule zeigt Extrembeispiele: Eltern die völlig am Ende sind und Kinder, die es sich scheinbar zur Aufgabe gemacht haben, ihren Eltern das Leben schwer zu machen. Es gibt diese extremen Fälle auch im echten Leben und es ist zutiefst nachvollziehbar, dass die jeweiligen Eltern aufgrund ihrer Verzweiflung einfach nur noch möchten, dass ein bestimmtes Verhalten aufhört. Sie haben nicht die Ruhe und die Energie sich den Gesamtzusammenhang vor Augen zu führen und suchen deswegen nach Mitteln und Wegen an der kleinsten Stellschraube zu drehen: An den Kindern.

Genau diese Eltern geraten dann an Methoden und Ratschläge aus der schwarzen Pädagogik, wie sie in der Elternschule vorgeschlagen werden. Sie sind nicht mehr offen dafür, dass auch gewaltfreie Lösungen möglich sind oder sie haben schlichtweg nicht die Geduld und die Kraft, diese umzusetzen. Denn natürlich ist es auf den ersten Blick einfacher nur ein Symptom zu behandeln, frei nach dem Motto: „Dann muss das Kind eben sein Verhalten ändern.“  Mit aller Gewalt wird dann diese scheinbar einzig gangbare Lösung durchgesetzt – ohne Rücksicht auf Verluste.

 

Allgemeingültige Aussagen machen den Film so gefährlich

Der Titel „Die Elternschule“ suggeriert dem Zuschauer schon, dass die vermittelten Hintergründe und Methoden allgemeine Gültigkeit beanspruchen und das Eltern gut daran tun, von vornherein mit solch drastischen Methoden gegen das Verhalten ihrer Kinder vorzugehen, damit es gar nicht erst zu solchem Verhalten kommt. Das untermauert der Film dann mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, die es so nie gegeben hat. Das macht die Elternschule doppelt gefährlich. Uninformierte Eltern könnten aus den gezeigten Handlungsmöglichkeiten allgemeine Aussagen ableiten und ihre Erziehung guten Gewissens danach gestalten.

 

Viele Eltern sind betroffen

Zwar gibt es wie oben schon erwähnt tatsächlich immer wieder Eltern, die sich in Extremsituationen mit ihren Kindern befinden, ähnlich wie sie im Film gezeigt werden. Und es ist mehr als verständlich, dass diese Eltern sich von Außen Hilfsangebote einholen, wenn sie nicht mehr weiter wissen. Es ist dann an uns als Gesellschaft, diese Hilfsangebote wirklich hilfreich zu gestalten, sodass Eltern und Kinder langfristig gut miteinander  Leben können anstatt Machtkämpfe gegeneinander auszutragen.

Die große Mehrheit der Eltern sind aber diejenigen, die immer mal wieder ‚im Kleinen‘ an ihre Grenzen kommen und das ein oder andere Mal mit ihren Kindern nicht mehr weiter wissen. Wer von uns hat noch nicht erlebt, dass er mit seinen Kindern weit über die eigene Belastungsgrenze hinaus gegangen ist? Die meisten Eltern haben sich wahrscheinlich schon hie und da gefragt, ob sie wohl konsequenter sein müssten oder bestimmtes Verhalten es erfordert ‚härter durchzugreifen‘. Das sind Eltern wie Du und ich, die diesen Film sehen und sich schlimmstenfalls in ihren Ängsten und Zweifeln bestätigt fühlen.

 

Was wirklich hilft

Was Eltern in solchen Belastungsproben brauchen, sind echte Handlungsalternativen und Bestärkung in ihrem Dasein als Eltern. Echte Unterstützung aus der Nachbarschaft, aus der Familie und aus dem Umfeld wären wünschenswert. Aber auch niedrigschwellige therapeutische Begleitung mit ganzheitlichem oder systemischen Ansatz. Diese Perspektive von Außen kann helfen festgefahrene Dynamiken aufzudecken.

Gerade bei verhaltensauffälligen Kindern sind wir häufig betriebsblind und sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht, wenn wir versuchen, dass jeweilige Verhalten als logische Folge vorangegangener Erfahrung zu verstehen. Denn kindliches Verhalten ist immer logisch und nie böse oder manipulativ. Kinder können mit ihren feinen Antennen echte Stimmungsseismographen sein und uns auf Ungleichgewichte im Familiensystem oder eigene Themen aufmerksam machen.

 

Verhalten verändern greift zu kurz

Der Ansatz des Films, das Verhalten des Kindes durch Anwendung von Zwang zu verändern funktioniert kurzfristig in Bezug auf das jeweilige Verhalten. Dafür schaden solche Maßnahmen immer der Beziehung von Eltern und Kind. Ein Kind, das seine Eltern auf diese Weise ihre Macht gegen es gebrauchen erlebt, verliert das Vertrauen darein, dass seine Eltern sein sicherer Hafen sind, auf den es sich verlassen kann. Eine belastete Beziehung macht es jedoch im Verlauf immer schwieriger miteinander zu arbeiten, anstatt gegeneinander. Kinder sind wie oben schon erwähnt im höchstem Maß interessiert daran, ein funktionierender Teil des Familiengefüges zu sein. Sie sind höchst kooperativ, wenn wir ihnen auch unsere Kooperation anbieten und das nötige Verständnis für ihr Gefühlserleben und das damit begründete Verhalten entgegenbringen.

 

Der Preis ist zu hoch

Kinder werden gezwungen im Bereich des Verhaltens ein bestimmtes Verhalten zu produzieren, ungeachtet ihrer Gefühlswelt, die ihm offenbar ein anderes Verhalten als adäquat suggeriert. So lernt das Kind, seine eigenen Gefühle als wichtigen Kompass zu ignorieren und verliert letztlich den Kontakt zu sich selbst. Es lernt, dass sein Umfeld besser weiß, was gut für es ist und passt sich an.

Gehorsam ist auch deswegen so gefährlich, weil sich das so gebrochene Kind im Verlauf seines späteren Lebens als Maßstab für seine Entscheidungen immer fragen wird, was von ihm verlangt oder erwartet wird und was nach dem Ermessen von anderen als richtig erscheint. Ein solcher Erwachsener wird sich nicht fragen, wie es ihm selbst mit einer bestimmten Lebenssituation geht und innere Widerstände nicht als solche wahrnehmen können. Er wird gesellschaftliche Anforderungen ungeachtet seiner persönlichen Lebensrealität als gegeben hinnehmen und und unkritisch übernehmen. Dieser Mensch hat gelernt zu funktionieren, doch der Preis dafür war zu hoch.

 

Diese Bücher haben mir geholfen, kindliches Verhalten besser zu verstehen:

 

 

 

 

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